Erfahrungsbericht einer Ehrenamtlichen

„Kinder trauern anders – Ehrenamtliche gesucht“ war 2018 die Überschrift eines Artikels in der Aachener Zeitung, der mich als dreifache Mutter sofort angesprochen hat. Eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche? Das konnte ich mir mir gleich vorstellen, und es reizte mich, dieses erste Jugendangebot für den Nordkreis mit aufzubauen.

Die Ausbildung zur Kleinen Trauerqualifikation dauert fünf Monate, und es entwickelte sich schnell eine tolle Dynamik unter den Ehrenamtlichen. Und so fand sich nach dem Abschluss für jeden eine passende Aufgabe: in der Kindertrauergruppe Libelle und für die begleitenden Angehörigen, in der Jugendgruppe Phönix, und natürlich auch für die organisatorischen Aufgaben.

Heute bin ich aktiv in der Betreuung der Angehörigen der jüngeren „Libelle“-Kinder und unterstütze auch die Spendenakquise und das Webseitenteam. All diese Aufgaben sind herausfordernd und erfüllend.

Dabei erlebe ich, wie gut es den Kindern und ihren Angehörigen tut, zu erleben, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind. Dass es auch andere Kinder und Erwachsene in ihrer Nähe gibt, denen es ähnlich geht. Und dass sie bei den Treffen über alles, was sie belastet, reden können, oder ihre Trauer oder Wut zeigen, schweigen oder lachen dürfen. Das alles ist okay in der Gruppe oder auch im Einzelgespräch mit uns.

Erzählen, nachfragen, sich austauschen oder auch schweigen, dafür bieten wir in den Gruppen Zeit und Raum. Zuhören, mitfühlen, einfach da sein und auch aktiv unterstützen – all das und viel mehr – ist für mich eine wichtige und richtige ehrenamtliche Tätigkeit geworden.

Darum habe ich ergänzend die Große Trauerqualifikation angeschlossen, in dessen Rahmen ich ein mehrstündiges Seminar für Konfirmanden zum Thema Trauer vorbereitet habe. Ich freue mich schon darauf, es in meiner Kirchengemeinde umzusetzen. Es ist mir wichtig, auch mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, die nicht direkt von Trauer betroffen sind – gerade in der heutigen Zeit, wo Sterben meist im Verborgenen stattfindet.

Ulrike Ermert

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